Kurzantwort: Bleirohre in Trinkwasserleitungen stellen ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar, besonders für Kinder und Schwangere. In Essen wurden Bleileitungen vor allem bis in die 1970er Jahre verlegt. Wer Bleirohre vermutet, sollte das Trinkwasser testen lassen und die Leitungen schnellstmöglich austauschen.
Wo kommen Bleirohre vor?
Blei war bis in die frühen 1970er Jahre ein gängiges Material für Hauswasserleitungen. Besonders in gründerzeitlichen und Altbaubeständen aus der Zeit vor 1950 sind Bleileitungen im Essener Stadtgebiet noch anzutreffen - sowohl in der Zuleitung vom Straßenanschluss zum Gebäude als auch in den Wohnungsleitungen selbst. Gebäude aus der Wiederaufbauphase nach 1945 bis Mitte der 1970er können ebenfalls betroffen sein.
Bleirohre erkennen - so geht es
Sichtprüfung
Bleirohre sind grau, mattglänzend und weich. Mit einem Messer oder Schlüssel lässt sich die Oberfläche leicht einritzen - das ist bei härterem Kupfer oder Stahl nicht möglich. Bleirohre haben außerdem eine charakteristische bleigraue Farbe und sind leicht verformbar. Sie fühlen sich schwerer an als Kunststoffrohre ähnlicher Größe.
Trinkwasseranalyse
Eine Sichtprüfung allein reicht nicht aus, da Bleileitungen manchmal hinter Wänden verborgen sind. Eine akkreditierte Trinkwasseruntersuchung durch ein Labor gibt Sicherheit. Wasserproben werden morgens nach einer Stagnationszeit von mindestens vier Stunden entnommen - dann ist die Bleikonzentration am höchsten. Der gesetzliche Grenzwert nach Trinkwasserverordnung liegt bei 10 Mikrogramm pro Liter.
Gesundheitsrisiko
Blei ist ein kumulatives Gift, das sich im Körper ansammelt. Besonders gefährdet sind:
- Kleinkinder und Säuglinge (Einschränkung der neurologischen Entwicklung)
- Schwangere (Schädigung des ungeborenen Kindes)
- Menschen mit erhöhtem Wasserverbrauch
Kurzfristige Sofortmaßnahme: Wasser vor dem Trinken mindestens zwei Minuten ablaufen lassen, bis frisches Wasser aus dem Versorgungsnetz nachgeflossen ist. Für Säuglingsnahrung kein Leitungswasser verwenden, bis die Leitungen geprüft sind.
Sanierungsmethoden
Austausch (empfohlen)
Der vollständige Austausch der Bleileitungen durch Kupfer- oder Kunststoffrohre ist die einzige dauerhaft sichere Lösung. Für das Teilstück vom Hausanschluss zur Wasseruhr ist in Essen der Netzbetreiber zuständig - fragen Sie direkt bei den Stadtwerken Essen nach. Die innerhäuslichen Leitungen liegen in der Verantwortung des Eigentümers.
Inlinersanierung (eingeschränkt)
In bestimmten Fällen können Bleileitungen mit einer Epoxidharz-Beschichtung von innen saniert werden. Dieses Verfahren ist nur für Rohre ohne Trinkwasserkontakt geeignet und bei Trinkwasserleitungen in Deutschland nicht zulässig.
Kosten und Förderung
Der Austausch von Bleileitungen in einer Wohnung kostet je nach Aufwand zwischen 2.000 und 10.000 Euro. Es lohnt sich, beim zuständigen Amt der Stadt Essen oder bei der KfW nach Förderprogrammen für energetische Sanierung oder Trinkwassersicherheit zu fragen, da Bleirohraustausch teilweise bezuschusst wird.